Biofilm: Der klebrige Grund, warum manche Therapien nicht wirken

– Der geheime Schleim im Darm – was Biofilme mit Reizdarm, Entzündungen, und Heilung zu tun haben

Wiener Forscher haben entdeckt, dass ein grosser Anteil der Reizdarmpatienten (57%) und auch der Colitis ulcerosa Betroffenen (34%) einen Biofilm aufweisen.

Diese Biofilme bestehen aus zähem Schleim, der sich an der Darmwand anheftet und für das Immunsystem, aber auch für Antibiotika kaum durchdringbar ist. Dadurch bietet es ein sicheres Zuhause für Bakterien und Co. Diese schleimige Schicht ist vergleichbar mit der Oberflächenschicht auf dem Stiel einer Blume, welcher zu lange im Wasser gestanden ist.

Biofilme entstehen oft, wenn es Ungleichgewichte im Darmmilieu gibt. Ein erhöhtes Vorkommen wurde beispielsweise bei der Einnahme von Protonenpumpenhemmern (Magenschonern) festgestellt. Durch Magenschoner wird die Säure im Magen neutralisiert, weshalb die Säure durch die Nahrung aufgenommene Schädlinge nicht mehr zerstören kann und der pH-Wert im Darm basischer wird. Die Biofilmbildung wird wahrscheinlich durch diese oder andere unwirtliche Lebenszustände als Schutzmechanismus von Bakterien ausgelöst.

Biofilme bestehen aus Kohlenhydraten (Polysacchariden), extrazellulärer DNA, Proteinen und Schleim. Darin leben verschiedene Mikroorganismen (oft Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa).

Die dort ansässigen Bakterien können Toxine bilden, die die Darmschleimhaut reizen und Entzündungen fördern. Eine schlechte Darmflora verstärkt wiederum die Möglichkeit der Ausbildung solcher Biofilme. Auch Parasiten und Pilze sollen sich in diesem Biofilm festsetzen können* und werden dadurch schwer behandelbar.

Durch die negativ geladenen Zellwände, Polysaccharidstrukturen und Proteine des Biofilmes, die Elektronenpaare zur Verfügung stellen, können positiv geladene Schwermetalle angezogen werden und sich im Biofilm ansammeln.

Biofilmbildung wird mit erhöhter Entzündung, einer veränderten Gallensäurenverarbeitung und einem höheren Risiko für Darmkrebsbildung in Verbindung gebracht.

Bei Darmspiegelungen kann man diese Biofilme als gelblich-grüne Ablagerungen im Dickdarm erkennen. Für mögliche Ablagerungen im Dünndarm fehlt die Diagnostik.

Biofilme können also ein grosser Faktor für den Therapieerfolg sein, da sie durch ihre Schutz- und Bindewirkung für Bakterien und Schadstoffe die Wirksamkeit von Therapiemitteln unterbinden können.

Anschliessend findest Du ein paar Beispiele für Therapien, welche schon angewendet werden und durch theoretische Überlegungen oder durch Erfahrungsberichte positiv bewertet werden. Aktuell fehlen aber noch Studien, die die Wirksamkeit eindeutig belegen.

Zur Entfernung kommt beispielsweise eine endoskopische „Spülung“ des Darmes in Frage. Die Schleimschichten können aber durchaus sehr zäh und stark mit der Darmschleimhaut verbunden sein. Diese Methode ist teuer und nicht praxistauglich.

Durch Enzymprodukte sollen die Kohlenhydrat- und Proteinbestandteile des Biofilms aufgelöst werden, damit die schützenden Eigenschaften des Schleimes aufgebrochen werden. Dadurch sind die Bakterien wieder zugänglich für das körpereigene Immunsystem. Serrapeptase und Glucoamylase sind vielversprechend. HCK hat unter anderem Nährstoff- und Enzymkombinationen, um diesen Prozess zu unterstützen.

Durch eine Auflösung der Schleimschicht werden aber auch gebundene Schadstoffe freigesetzt, weshalb so eine Biofilmausscheidung nie ohne Schadstoffbinder wie Zeolith, Huminsäuren, Algen oder Heilerde durchgeführt werden sollte.

Pflanzenstoffe, bei denen schon Evidenz zu ihrer Wirksamkeit vorliegt sind Quercetin, NAC, Nattokinase und Oreganoöl.

Allgemein hilft alles, was den Darm auch sonst unterstützt wie Probiotika, Berberin und Bitterstoffe. Ein gutes Milieu ist der beste Schutz gegen Entzündungen und Biofilmbildung durch Pathogene.

Es gibt auch Darmkuren mit Ölpalmfaser und Okrapulver, bei dem der Biofilm zum Quellen gebracht und sich dadurch von der Darmwand lösen und ausgeschieden werden soll, ohne dass die darin gebundenen Stoffe freigesetzt werden*.

Wichtig – auch gute Bakterien können Biofilme ausbilden, wodurch Sie besser von Antibiotikakuren geschützt sind. Eine Biofilmentfernung ist also nicht in jedem Fall notwendig. Es wurde nur sehr wenig Biofilmbildung bei gesunden Probanden (6%) entdeckt, was vermuten lässt, das in einem guten Darmmilieu kein Bedarf für den Aufbau eines Biofilms besteht.

Für die Zukunft ist es ein spannender Behandlungsansatz, der vor allem beim Thema Reizdarm endlich etwas zur Ursachenfindung beiträgt.  

* nicht studiengeprüft

Literaturverzeichnis:

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Quelle:

Titel: Biofilm im Darm entfernen

Autorin: Carina Rehberg

Ärztliche Prüfung: Gert Dorschner

Webseite: Zentrum der Gesundheit

Stand: 26. Mai 2025

URL: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/naturheilkunde/darmreinigung-uebersicht/biofilm-im-darm-entfernen zentrum-der-gesundheit.de

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