Endometriose und das Mikrobiom

– ein vielversprechender Behandlungsansatz

Viele Endometriose*patientinnen leiden während Ihrer Periode, aber auch oft in der Zwischenzeit unter Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung und Krämpfen. Diese Beschwerden sind als „endo belly“ bekannt und zeigen die enge Verbindung zwischen Endometriose und dem Verdauungssystem. Neue Forschung zeigt, dass der Einfluss grösser ist, als man bisher angenommen hat.

In neuen Studien hat man herausgefunden, dass Endometriosepatientinnen eine veränderte Darm- und Vaginalflora haben. Ihr Mikrobiom weist eine verminderte Vielfalt und einen höheren Anteil an entzündungsfördernden Bakterien auf. Es gibt gleich mehrere Möglichkeiten, wie der Darm die Endometriose und ihre Symptome beeinflussen kann:

  • geschwächter Schutz: Durch eine eingeschränkte Darmbarrierefunktion (z.B. bei leaky gut) können Schadstoffe in den Körper eindringen. Das Immunsystem und die Leber werden vermehrt belastet.
  • Verstärkte Entzündung: Bestimmte Bakterien bilden Stoffe wie Lipopolysaccharide (LPS), die Entzündungsreaktionen im Körper auslösen. Dadurch können Endometrioseherde besser entstehen und überleben.
  • Beeinträchtigtes Immunsystem: Ein unausgeglichenes Mikrobiom hat Einfluss auf Immunzellen wie beispielsweise Makrophagen. Diese erkennen und entfernen die abgewanderten Endometriosezellen nicht mehr gleich gut.
  • Östrogenstoffwechsel: Manche Bakterien bilden Enzyme (z. B. β-Glucuronidase), die verhindern, dass alte Östrogene über den Darm ausgeschieden werden. Diese gelangen zurück in den Blutkreislauf und erhöhen den Östrogenspiegel. Das kann das Wachstum von Endometrioseherden fördern und die Beschwerden verstärken.
  • Darm-Hirn Achse: Das Mikrobiom beeinflusst die Synthese von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und GABA. Diese wirken auf die Stimmung, das Schmerzempfinden, aber auch indirekt auf die Hormonregulation.

Da Entzündung ein zentraler Mechanismus bei Endometriose ist, spielt der Darm eine wichtige Rolle – er kann diese Prozesse verstärken oder abschwächen. Eine gute Darmgesundheit kann daher ein wichtiger Ansatz sein, um Beschwerden zu lindern.

Erste Studien haben bestimmte Bakterienstämme identifiziert, die potenziell einen Einfluss auf Endometriose haben können (zum Vor- oder Nachteil). Allerdings ist die Forschungslage noch nicht ausreichend, um klare Therapieempfehlungen zu geben.

Sicher ist jedoch:

Jede Person hat ein individuelles Mikrobiom. Durch gezielte Massnahmen – durch Stabilisierung der Darmschleimhaut, Reduktion von ungünstigen Bakterien, Förderung hilfreicher Bakterienstämme, einer entzündungshemmenden Ernährung sowie Unterstützung durch bestimmte Pflanzenstoffe – ist eine Verbesserung der Symptomatik möglich.

*Endometriose betrifft schätzungsweise jede zehnte Frau mit Periode. Dabei wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter, z. B. auf der Blase oder rund um den Enddarm. Dieses Gewebe reagiert auf den monatlichen Zyklus: Es baut sich unter Hormoneinfluss auf und blutet wieder ab. Anders als in der Gebärmutter kann dieses Blut nicht abfliessen, was zu Entzündungen, Schmerzen, Verwachsungen und Narbenbildungen führt. Besonders starke Regelschmerzen sind häufig ein Leitsymptom. Endometriose kann aber auch schmerzfrei auftreten.

  Review: Role of the gut microbiota in the pathogenesis of endometriosis (Frontiers in Microbiology, 2024). Frontiers

  Large Kohorten-/Fall-Kontroll-Analyse: Gut microbiome in endometriosis: cohort study on 1000 individuals (BMC Medicine, 2024). BioMed Central

  Systematic review / Meta: Gut and Vaginal Microbiota in Endometriosis: Systematic Review (2023). Wiley Online Library

  Überblick über Mechanismen (Estrobolom, Inflammation, Immunmodulation): Bidirectional relationship between endometriosis and microbiome (Frontiers in Endocrinology, 2023). Frontiers

  Erste kausale Ansätze: Mendelian Randomization Studie zu gut microbiota taxa und Endometriose (2024).

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